QRB-Rc Baden-Württemberg e.V. | 25.09.2022 | 07:13
Impressum |  Datenschutz |  Kontakt |  Links |  Hilfe |  Login

Startseite Aktuell Rc-Baustoffe QRB-Intern Statistik ÜBER UNS
Interview mit Umweltministerin Tanja Gönner am 17.03.2006
Druckansicht

anläßlich der Verleihung zum Flächenrecyclingpreis Baden-Württemberg 2006 des 'altlastenforum Baden-Württemberg e.V.' 
mit Unterstützung von Arcadis, Daimler Chrysler und QRB.


Umweltministerin Tanja Gönner (m.), ISTE- und QRB-Geschäftsführer Thomas Beißwenger (l.) und QRB-Geschäftsführerin Christa Szenkler (r.)

Frage: BR Baustoff Recycling und Deponietechnik:

Derzeit fallen jährlich bundesweit ca. 223 Mio. Tonnen an Bauschutt, Erdaushub und Straßenaufbruch an, in Baden-Württemberg ca. 28,5 Mio. Tonnen. Bei einem konsequenten Flächenrecycling ist durch Rückbau etc. für Umnutzung und Nachverdichtung von einem Anstieg dieser Abfallmengen auszugehen. Welcher Stellenwert kommt dem Baustoffrecycling seitens der Landesregierung zu?

Antwort Ministerin T. Gönner:

Die genannten Baumassenabfälle bilden in der Tat den größten Posten am Gesamtabfallaufkommen in Deutschland bzw. auch in Baden-Württemberg. Deshalb bewerte ich die Bedeutung des Baustoffrecyclings – auch beim Flächenrecycling – sehr hoch. Dabei bewegen wir uns auf der Basis des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes, wonach angefallene Abfälle prioritär zu verwerten sind. Die Forderung nach Bauabfallrecycling ist auch im Landesentwicklungsplan Baden-Württemberg 2002 als Grundsatz formuliert. Darüber hinaus fordert der Umweltplan unseres Hauses ein verwertungsorientiertes Vorgehen bei Abbruchmaßnahmen. Dass der hohe Stellenwert des Recyclings nicht nur seitens der Landesregierung so eingeschätzt wird, zeigt sich auch auf der EU-Ebene. Dort wird derzeit eine thematische Strategie für Abfallvermeidung und –recycling im Rahmen des 6. Umweltaktionsprogramm diskutiert.


Frage: BR Baustoff Recycling und Deponietechnik:

In Baden-Württemberg ist der Wiedereinsatz von Recycling-Baustoffen seit dem 13.04.2004 nach dem Erlass des Ministeriums für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg geregelt. Auf Bundesebene wird das Bundesumweltministerium im Laufe diesen Jahres eine Verwertungsverordnung des Bundes unter anderem zum Einsatz von Recycling-Baustoffen unter Beachtung des vorsorgenden Grundwasser- und Bodenschutzes beginnen zu erarbeiten. Halten Sie den baden-württembergischen Baustoff-Recycling-Erlass für ein Regelwerk, das für eine Verwertungsverordnung des Bundes in Frage kommt?

Antwort Ministerin T. Gönner:

Der baden-württembergische Baustoff-Recycling-Erlass hat sich bislang bewährt. Ich werde mich deshalb dafür einsetzen, dass möglichst viele Inhalte aus dem Erlass in einer Bundesverordnung wiederzufinden sein werden.


Frage: BR Baustoff Recycling und Deponietechnik:

Verbunden mit dem baden-württembergischen Baustoff-Recycling-Erlass ist der Produktstatus für Recycling-Baustoffe möglich, sofern ein umfangreiches Qualitätssicherungssystem bei den herstellenden Betrieben vorliegt. Wie bewerten Sie das von der Baustoff-Recycling-Branche aufgebaute Qualitätssicherungssystem, den sog. QRB?

Antwort Ministerin T. Gönner:

Seit Gründung des Qualitätssicherungssystems, dessen Inhalte in enger Abstimmung mit uns formuliert worden sind, gibt es Anzeichen dafür, dass eine deutliche Qualitätssteigerung bei den Recycling-Baustoffen erreicht werden konnte. Damit ist ein wesentliches Anforderungsziel in weniger als anderthalb Jahren für einen umweltgerechten Baustoff erreicht worden. Der QRB zeigt, dass sich Eigenverantwortung der Wirtschaft und staatliches Handeln ergänzen können. Das Qualitätssicherungssystem ist ein Beispiel dafür, dass die Selbstverpflichtung der Recycling-Baustoff-Branche innerhalb der staatlich vorgegebenen Rahmenbedingungen sehr gut funktioniert.


Frage: BR Baustoff Recycling und Deponietechnik:

Der baden-württembergische Baustoff-Recycling-Erlass sieht auch eine aus Wettbewerbsgründen in der Regel produktneutrale Ausschreibung von Recycling-Baustoffen zu anderen Gesteinskörnungen vor. Leider ist aber noch immer ein Ausschluss von Recycling-Baustoffen – auch von qualitätsgesicherten Recycling-Baustoffen des QRB – in Ausschreibungen zu verzeichnen. Sehen Sie seitens des Umweltministeriums Instrumente zur Förderung des Einsatzes von Recycling-Baustoffen, respektive QRB-geprüfter Recycling-Baustoffe?

Antwort Ministerin T. Gönner:

Die Landesregierung wird flankierend die für Baumaßnahmen zuständigen Landesbehörden, also insbesondere die Straßenbauverwaltung und die Hochbauverwaltung, sowie Kommunen dazu anhalten, bei der Vergabe von Materiallieferungen Baustoffrecyclingmaterial gleichberechtigt zu natürlichen Rohstoffen zuzulassen. Dabei setze ich aber voraus, dass die Materialien qualitativ hochwertig sind und sicherlich ist der QRB hierfür ein Garant.


Frage: BR Baustoff Recycling und Deponietechnik:

Derzeit zählt der QRB ca. 60 Recycling-Betriebe und 12 Fremdüberwachungsstellen zu seinen Mitgliedern. Leider agieren viele Recycling-Betriebe derzeit noch ohne Umwelt- und Qualitätskontrolle frei am Markt. Wie bewertet die Landesregierung diese Situation?

Antwort Ministerin T. Gönner:

Zunächst möchte ich natürlich klarstellen, dass auch Betriebe, die nicht im QRB zusammengeschlossen sind, die Vorgaben des Erlasses einhalten müssen. Wir prüfen derzeit, ob noch im laufenden Jahr schwerpunktmäßig nicht dem QRB angehörende Betriebe einer Analysenkampagne unterzogen werden sollen. Andererseits sehe ich aber auch keinerlei Grund für Pessimismus, denn es ist ein äußerst positives Signal, wenn es gelingt, in dieser kurzen Zeit bereits 60 Betriebe in einem Qualitätszirkel zusammenzuschließen. Dies ist sicherlich eine lobenswerte organisatorische Leistung. Natürlich muss es unser Ziel sein, dass die Zahl der Betriebe, die sich einem Qualitätssystem unterwerfen, noch größer wird. Von daher kann ich nur alle Recyclingunternehmen dazu auffordern und ermuntern, sich einer organisierten Umweltverträglichkeits- und Qualitätskontrolle, wie es im QRB geschieht, anzuschließen. Dass wir hierbei auf dem richtigen Weg sind, zeigen auch die QRB-Kooperationspartner, wie beispielsweise der NABU, die LUBW, der Landkreis-, Gemeinde- und Städtetag und viele mehr. Als erfolgreiches Kooperationsmodell zwischen Wirtschaft und Landesregierung wünsche ich dem QRB weiterhin viel Erfolg.

Das Interview haben Christa Szenkler und Thomas Beißwenger vom QRB im Auftrag der Fachzeitschrift BR Baustoff Recycling und Deponietechnik, Giesel Verlag, geführt.




Preisverleihung an die SEG Ostfildern GmbH: Preisverleihung an die Stadt Tübingen und Berghof Analytik GmbH & Co. KG:



Preisverleihung Dr. Eisele mbH: "Revitalisierung des ehem. Kienzle-Geländes in Villingen-Schwenningen" QRB-Ausstellungsstand anlässlich des Flächenrecyclingpreises Baden-Württemberg in Stuttgart-Vaihingen