Politik und Gesellschaft fordern den schonenden Umgang mit Ressourcen
und eine konsequente Kreislaufwirtschaft. Doch die so genannte
„Mantelverordnung" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit, die den Boden- und Grundwasserschutz regeln soll,
lässt seit Jahren auf sich warten. Das verunsichert die Branche. Wie
sich das in der Praxis auf die Unternehmen auswirkt, wurde auf dem
größten alljährlichen Branchentreff der Steine- und Erden-Industrie im
Südwesten, dem Baustoff-Recycling-Tag, mit Vertretern aus Bundes- und
Landespolitik diskutiert.
Die Verwertungsquote von Bau- und
Abbruchabfällen beträgt derzeit rund 70 Prozent. Damit belegt
Deutschland weltweit einen Spitzenplatz. Dennoch kann Recyclingmaterial
nur ungefähr zu zehn Prozent „Primärrohstoffe" wie Sand und Kies und
Naturstein ersetzen.
Deshalb ist die Gleichberechtigung der Baustoffe bei Ausschreibungen
wichtig. Die am besten geeignete Gesteinskörnung soll eingesetzt werden
- ohne dass ein Material bevorzugt wird und ohne politische Quoten-
Vorgabe.
Dass die Sekundärbaustoffe über eine vergleichbare
Qualität wie die primären Stoffe verfügen, dafür sorgt in
Baden-Württemberg seit vielen Jahren das Qualitätssicherungssystem QRB.
Ungefähr 100 von rund 400 Recyclingbetrieben in Baden-Württemberg haben
sich dem QRB angeschlossen. Politik und Verwaltung wünschen sich
deshalb, dass viel mehr Firmen dem QRB beitreten.
Um das Baustoffrecycling effektiv zu nutzen, sind jedoch zuverlässige gesetzliche Rahmenbedingungen
dringend nötig. Ob die neue Mantelverordnung diese Bedingungen schaffen
wird, ist unter Experten umstritten. Während die
Ersatzbaustoffverordnung umfassend wissenschaftlich begleitet wurde,
fehlt dieses Fachwissen bei der Bodenschutzverordnung. Die Unternehmen
fürchten deshalb, dass aufgrund zu strenger Grenzwerte
Einzelfallprüfungen die Regel sein werden. Abgesehen von dem großen
Verwaltungsaufwand weckten individuell angewandte Kriterien bei den
betroffenen Unternehmen den Verdacht auf Willkür.
Vor allem im
Straßenbau können RC-Baustoffe eingesetzt werden, aber auch im
Waldwegebau findet das Material Verwendung. Hier ist es besonders
wichtig, dass keine Altlasten oder schlicht Abfall zum Einsatz kommen.
Der Verband der Teilnehmergemeinschaften Baden-Württemberg plädiert
deshalb für ständige Kontrolle und begrüßt das QRB-Zertifikat für hochwertige Produkte.
Bei einer Kuh könne man zuverlässig und lückenlos die Herkunft anhand
ihrer Ohrmarke bestimmen. Beim Baustoff ist dies nicht so einfach.
Deshalb seien Systeme wie das QRB für die Kunden unverzichtbar.
Auch
in diesem Jahr nutzten über 260 Teilnehmer die Gelegenheit, sich auf
dem überregional ausgerichteten Baustoff-Recycling-Tag zu informieren
und auszutauschen. Auf der Veranstaltung referierten Experten aus
Bundes- und Landesministerien, Verwaltung, Verbänden und der
Wissenschaft.
Eingeladen hatten der Industrieverband Steine und
Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE) und das Qualitätssicherungssystem
Recycling-Baustoffe Baden-Württemberg e.V. (QRB) zusammen mit der
Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe e.V. (BRB) und der Fédération
Internationale du Recyclage (FIR).
Ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmer, Aussteller und Referenten!